Benin, 1600–1660
Wie kam es, dass die Könige von Benin erst ihre Kriege anführten und dann von ihren eigenen Häuptlingen hinter den Palastmauern gehalten wurden?
▶ Den erzählten Atlas ansehen (englischer Sprecher) · 5 Min.Das Land im Jahr 1660, in den Farben derer, die es hielten. Schraffiert: Land, das zwischen 1600 und 1660 den Besitzer wechselte.
In jedem Abschnitt unten entsprechen die nummerierten Ereignisse auf der Karte der Liste darunter und den Markierungen im Text; nichts bewegt sich.
Die Abschnitte
Das Heerlager bei Lagos
- 1⌂Heerlager Eko — von Orhogbua angelegt, vor ca. 1578
- 2♜Eine aufständische Stadt bei Lagos — ca. 1603 · erstürmt und niedergebrannt
In Kürze
Im Jahr 1600 war Ehengbuda Oba von Benin; man erinnert sich an ihn als den letzten seiner Kriegerkönige. Die Überlieferung lässt seine Herrschaft um 1578 beginnen. Sein Vater hatte auf einer Insel in den westlichen Lagunen ein Heerlager angelegt, bei Lagos, das die Edo Eko nannten.1 Um 1603 lief dort ein kleines niederländisches Handelsschiff in den Fluss ein. Sein Befehlshaber war ein deutscher Wundarzt in niederländischen Diensten, Andreas Josua Ulsheimer, der aufschrieb, was dann geschah. Eine ummauerte Stadt des Königs hatte sich erhoben, und Benins Heer besaß keine Geschütze, um ihr Tor zu brechen. Also bat Ehengbuda die Niederländer um die ihren. Zwölf Mann schleppten zwei Kanonen vor die Stadt, ein General aus Benin führte das Heer; der König blieb in seiner Hauptstadt. Nach einem halben Tag Beschuss gab das Tor nach.2 Das Heer stürmte hinein, tötete die Männer, verschleppte Frauen und Kinder und brannte die Stadt nieder. Ehengbuda bezahlte die Niederländer mit Pfeffer. Schon damals, so vermerkte Ulsheimer, zeigte sich der König seinem Volk nur einmal im Jahr.
Die Kette, Abschnitt für Abschnitt
Im Jahr 1600 herrschte Ehengbuda nach der überlieferten Datierung bereits seit etwa 1578 über Benin. Sein Vater Orhogbua hatte auf der Insel Lagos, die die Edo Eko nannten, ein Heerlager angelegt, und Ehengbuda hielt die Yoruba-Herrscher im Westen als Tributpflichtige. Seine Kriege mit Oyo endeten mit einem Vertrag, der die Grenze bei Otun in Ekiti festlegte. Benin erinnert sich an ihn als den letzten seiner Kriegerkönige.
Um 1606 reiste Ehengbuda zur Besichtigung des Heerlagers seines Vaters nach Lagos. Auf der Heimfahrt im Kanu brachte ein Sturm das königliche Boot zum Kentern, und der König ertrank mit seinen Häuptlingen und Kriegern; die Leichen wurden nie gefunden. Die Überlieferung sagt, nach seinem Tod habe kein Oba mehr ein Heer anführen sollen, und der Oberbefehl sei an den Iyase übergegangen. Erbe war sein einziger Sohn Odogbo.
Um 1603 schickte ein niederländischer General Ulsheimer, einen deutschen Wundarzt in niederländischen Diensten, als Befehlshaber einer bewaffneten Schaluppe auf Benins Fluss bei Lagos. Eine ummauerte Stadt des Königs hatte sich erhoben, und Benins Heer besaß keine Geschütze, um ihr Tor zu brechen. Ehengbuda, der in Benin City blieb, ließ die Niederländer durch seine Agenten um die ihren bitten, und zwölf Mann schleppten zwei Kanonen vor die Stadt.
Nach einem halben Tag Beschuss gab das Tor nach. Das Heer Benins stürmte hinein, tötete die Männer, verschleppte Frauen und Kinder und brannte die Stadt nieder; ihren Namen hielt Ulsheimer nicht fest. Ehengbuda bezahlte die Niederländer mit fünf Last Pfeffer. Schon damals, schrieb Ulsheimer, zeigte sich der König seinem Volk nur einmal im Jahr.
Das Heer, das die Stadt einnahm, führte ein General aus Benin; der König verließ seine Hauptstadt nie. Ben-Amos und Thornton deuten Ulsheimers Bericht, zusammen mit einem niederländischen Bericht von 1602, der einen militärischen Hauptmann erwähnt, als Zeichen dafür, dass die Kriegführung schon damals vom Oba auf seine Häuptlinge überging. Ehengbudas eigene Schlachten gegen Oyo hatte sein Iyase Ekpennede geführt.
Osogboye, der Erbe des Throns von Owo, war zur Erziehung nach Benin City geschickt worden und diente Ehengbuda jahrelang als Emada, als Staatsschwertträger. Als der Herrscher von Owo starb – laut der Königsliste von Owo im Jahr 1600 –, brach er ohne Erlaubnis des Oba auf, um den Thron zu beanspruchen. Ehengbuda schickte Boten, die ihn zurückholen sollten; Osogboye täuschte eine schwere Krankheit vor, und der Oba ließ ihn krönen.
Ein Jahr später schickte der genesene Osogboye Geschenke nach Benin, bat den Oba, ihn als Olowo zu bestätigen, und versprach, weiter Tribut zu zahlen; Ehengbuda gewährte es. Owo behielt seinen eigenen König und zahlte an Benin; die Königsliste lässt Osogboye bis 1648 regieren. Die Geschichte stammt von Egharevba und Akomolafe und ist innerhalb von Ehengbudas Herrschaft nicht datiert.
Benins König bezog noch Tribut von Lagos bis Owo, doch seine Heere führten bereits andere, und nach seinem Ertrinken machte die Überlieferung daraus die Regel.
Der ertrunkene König
- 3◆Kriegshäuptlinge übernehmen den Befehl — Überlieferung · nach ca. 1606
In Kürze
Um 1606, nach der überlieferten Datierung, brach Ehengbuda im Kanu auf der Lagunenroute zwischen seiner Hauptstadt und dem Lager bei Lagos auf. Ein Sturm brachte das königliche Kanu zum Kentern, und der König ertrank mit seinem Gefolge; die Leichen wurden nie gefunden. Die Überlieferung Benins berichtet, die Häuptlinge hätten daraufhin bestimmt, dass nie wieder ein Oba ein Heer anführen solle.3 Der Oberbefehl ging an den Iyase über, den ranghöchsten Stadthäuptling. Erbe war Ehengbudas einziger Sohn Odogbo. Seit seiner Kindheit hatten ihn Zweifel begleitet; manche sagten, er sehe aus wie ein Mädchen, und sein Vater hatte ihn einst nackt von Uselu in die Stadt gehen lassen, damit er beweise, dass er ein Mann sei. Nun bestieg er als Ohuan den Thron. Sein Heer unterstand Ogina, dem Iyase, den sein Vater ernannt hatte.
Der Iyase rebelliert
- 4⚑Oginas Aufstand — ca. 1609 · der Rat tagt im Haus des Iyase
- 5◆Kein neuer Iyase — Überlieferung · noch Jahrzehnte danach
In Kürze
Ogina war der erste Iyase, der den gesamten Oberbefehl über Benins Heer innehatte, und binnen etwa drei Jahren wandte er sich gegen den jungen König. Häuptlinge liefen zu ihm über, und der Rat tagte fortan nicht mehr im Palast, sondern in Oginas Haus.4 Ohuan verließ seine Hauptstadt. Er zog sich in das Dorf Evbohuan zurück und sammelte dort monatelang Männer. Dann marschierte er zurück, besiegte Ogina und nahm seine Stadt wieder ein. Ogina wurde nach Okogo verbannt und starb dort. Der Machtkampf hinterließ Spuren bei den Königen. Die Überlieferung sagt, dass noch Jahrzehnte danach kein Oba einen neuen Iyase ernannte:5 Könige, die ihre Heere nicht mehr selbst anführten, wollten nie wieder einem einzelnen Häuptling den Befehl über sie geben. Der Rest von Ohuans langer Herrschaft verlief friedlich.
Die Kette, Abschnitt für Abschnitt
Odogbo war seit seiner Kindheit angezweifelt worden: Manche sagten, er sehe aus wie ein Mädchen, andere, er sei als Mädchen geboren. Nach Egharevbas Überlieferung ließ Ehengbuda ihn nackt von Uselu in die Stadt gehen, begleitet von Dienern, die man später ifieto nannte, um zu zeigen, dass er ein Mann war. Um 1606 (nach Talbot um 1610) folgte er als Oba Ohuan nach; das Heer befehligte weiterhin der Iyase seines Vaters.
Eine aufgezeichnete Überlieferung nennt Ohuans Mutter Ohogha, aus dem Dorf Ayen. Die Mutter eines Oba wurde gewöhnlich etwa drei Jahre nach Beginn seiner Herrschaft zur Iyoba, zur Königinmutter, erhoben und in ihren Palast in Uselu geschickt. Egharevba sagt, Ohuan habe seine Mutter nicht dorthin geschickt; dieselbe Überlieferung berichtet, sie sei mit Geschenken nach Ayen heimgekehrt, weil man ihr vorwarf, keinen rechten männlichen Erben geboren zu haben.
Als Oginas Anhang die Regierung an sich riss, verließ Ohuan die Stadt und ging in das Dorf Evbohuan. Dort sammelte er monatelang Männer, marschierte dann zurück, besiegte Ogina und nahm seine Hauptstadt wieder ein; spätere Überlieferungen schreiben seine Rückkehr der Zauberei zu. Der Rest seiner langen Herrschaft verlief friedlich, und Egharevba schreibt ihm die Gründung von Städten und Dörfern zu. Er starb um 1641, ohne Sohn und ohne Bruder.
Ogina, der aus Okogo nahe der Hauptstadt stammen soll, war der Iyase, den Ehengbuda ernannt hatte, und unter Ohuan wurde er der erste Iyase, der den gesamten Oberbefehl über Benins Heer innehatte. Egharevba sagt, er habe Ehengbuda mit einer seiner Frauen betrogen; eine von Roese und Bondarenko gesammelte Überlieferung nennt sie Ohogha, die während ihrer Schwangerschaft Oginas Obhut anvertraut worden sei.
Etwa drei Jahre nach der Thronbesteigung, nach Osadolors Datierung (Egharevba setzt es auf die Thronbesteigung selbst), wandte sich Ogina gegen den jungen König. Andere Häuptlinge liefen zu ihm über, und der Rat tagte nun in seinem Haus statt im Palast. Osadolor liest den Machtkampf als Fortsetzung von Ehengbudas eigenem Streit mit seinem früheren Iyase Ekpennede.
Von Ohuans zurückkehrendem Heer geschlagen, wurde Ogina nach Okogo verbannt, in das Dorf, aus dem er stammte, und starb dort. Egharevba und die von Roese und Bondarenko gesammelten Überlieferungen berichten, er sei danach als Gottheit verehrt worden.
Osadolor schreibt, die Obas hätten für den Rest des Jahrhunderts keinen Iyase mehr ernannt, damit kein Häuptling je wieder zum bewaffneten Rivalen werden konnte. Dappers Material aus den 1640er-Jahren und ein Iyase, der um 1689 einen Aufstand anführte, sprechen dafür, dass der Sitz eher Jahrzehnte als das ganze Jahrhundert leer blieb. Andere Stadthäuptlinge übernahmen Kriegsaufgaben ohne Befehlsgewalt, und in der Praxis führte der Ezomo das Heer.
Ohuan gewann seinen Thron zurück, doch die Könige fürchteten nun ihre eigenen Heerführer, und er starb, ohne einen Erben zu hinterlassen.
Ein Knabe aus einer entfernten Seitenlinie
- 6◆Die verspielten Korallen — Überlieferung · Regierungszeit Ahenzaes
In Kürze
Um 1641, nach der gängigen Zählung, starb Ohuan, ohne einen Sohn oder Bruder, der ihm hätte folgen können. Die königlichen Genealogien waren bis dahin vom Vater auf den Sohn gegangen; nun riss die Linie ab, und der Thron begann zwischen entfernten Seitenlinien des Königshauses zu wandern. Bei jeder Wahl redeten die ranghohen Häuptlinge mit. Der neue Oba war Ahenzae, ein sechzehnjähriger Knabe aus einer anderen Linie. Ein junger König bedeutete mächtige Höflinge. Benin erinnert sich an Ahenzae als den König, der die königlichen Korallenperlen beim Würfelspiel verspielte6 – die Perlen, die für das Königtum selbst standen. Seine Mutter Eson wurde als Iyoba, als Königinmutter, in den Palast eingesetzt, der diesem Amt in Uselu vorbehalten war. Die Besucher, die Benin während seiner Herrschaft erreichten, fanden den König hinter seinen Beamten verborgen.
Briefe für den König
- 7◆Die Kapuziner landen — Juni 1651
In Kürze
Im Juni 1651 erreichte eine Gruppe spanischer Kapuziner Ughoton,7 den Flusshafen Benins; Rom hatte sie geschickt, um den König zu bekehren. Einer von ihnen ging mit einem Brief für den Oba voraus. Ein hoher Beamter nahm ihn entgegen und erklärte, der König habe ihn gelesen und müsse ihn nicht sehen. Danach rafften Fieber in Ughoton drei der Kapuziner dahin. Am 10. August erreichte ihr Präfekt Ángel de Valencia mit Felipe de Híjar die Hauptstadt. Der König, nach der gängigen Datierung Ahenzae, empfing sie. Niemand hatte ihm den Brief vorgelesen: Niemand am Hof konnte ihn lesen. Ángel übertrug ihn ins Portugiesische, und ein in Benin lebender Portugiese übersetzte ihn ins Edo. Bei einer zweiten Audienz versprach der König eine Kirche und Dolmetscher. Dann schlossen sich die Türen. Der oberste Minister, den die Kapuziner den Veedor nannten, verweigerte jede weitere Audienz und wies sie zweimal im Namen des Königs aus. Der Schwager des Königs sagte ihnen, der König habe keinen solchen Befehl gegeben.
Hinter den Palastmauern
- 8◆Die Kapuziner prangern den Ritus an — 1652 · ein Palastfest
In Kürze
1652 versuchte Ángel einen anderen Weg. Mit Felipe folgte er bei einem großen Fest der Menge der Häuptlinge in den Palast; fünf Männer sollten dort geopfert werden, und die beiden Kapuziner prangerten den Ritus vor dem König und seinem Hof an.8 Palastdiener warfen sie hinaus. In der Nacht befahlen ihnen Boten, die Stadt zu verlassen. Vier Tage lang hielt man sie in einem Hain fest, dann schickte man sie hinunter nach Ughoton. Die in der Stadt zurückgebliebenen Ordensbrüder gingen bei Nacht zur Mutter des Königs, Eson, und zu seinem Schwager; die beiden gaben ihnen zu essen und erwirkten für sie die Erlaubnis zur Abreise. Ein englisches Schiff brachte die Mission fort. Ahenzae regierte nach der gängigen Datierung weiter, bis etwa 1661. Er zeigte sich seinem Volk einmal im Jahr. Seine Häuptlinge befehligten seine Heere, redeten bei der Wahl seiner Nachfolger mit und entschieden, wer ihn sehen durfte. Im Jahr 1600 war Benins König sein Kriegsherr gewesen; 1660 war er eine sakrale Gestalt, die der eigene Hof hinter den Palastmauern hielt.
Die Kette, Abschnitt für Abschnitt
Mit dem Ende von Ohuans Linie begann der Thron zwischen getrennten Seitenlinien des Königshauses zu wandern, und bei jeder Wahl redeten die ranghohen Häuptlinge mit. Der neue Oba, Ahenzae, war sechzehn; Egharevba macht ihn zu einem Urenkel Orhogbuas, Talbot nur zu einem Verwandten. Egharevba datiert seine Herrschaft von etwa 1641 bis etwa 1661, Talbot von etwa 1630 bis 1650. Ein junger König bedeutete mächtige Höflinge.
Der Osuan war einer der beiden Priester des Königskults, neben dem Osa, die seit Ewuares Zeit ernannt wurden; bei den großen Riten stützten sie die Hände des Oba. Egharevba sagt, in Ahenzaes Jugend seien die Schätze früherer Könige verschleudert worden, die königlichen Korallenperlen beim Würfelspiel an den Osuan verloren. Ben-Amos und Thornton verzeichnen eine Überlieferung, nach der Ahenzae sie selbst verspielte.
Im August 1651 empfing der König, nach Egharevbas Datierung Ahenzae, die spanischen Kapuziner, nachdem sie das Hofzeremoniell erlernt hatten. Niemand hatte ihm den Brief des Papstes vorgelesen, der bei seinem Beamten hinterlegt worden war; er gab ihn zurück, und man übertrug ihn ins Portugiesische und dann ins Edo. Er bot an, die Kapuziner im Palast unterzubringen, und versprach bei einer zweiten Audienz Land für eine Kirche und Dolmetscher. Keines der Versprechen wurde gehalten.
Als der oberste Minister die Kapuziner zweimal im Namen des Königs nach Ughoton zurückschickte, sagte ihnen der Schwager des Königs, der Befehl stamme vom Minister selbst und der König wisse nichts davon; also blieben sie. Die Berichte der Kapuziner halten fest, was er sagte, nicht, ob es stimmte. Später empfing er die in der Stadt zurückgebliebenen Ordensbrüder und half, ihnen die Erlaubnis zur Abreise zu verschaffen.
Eson, Ahenzaes Mutter, war nach Faggs Datierung um 1643 zur Iyoba, zur Königinmutter, erhoben worden. Sie nahm bei der zweiten Audienz die Geschenke der Kapuziner entgegen und begegnete ihnen mit Zuneigung. Als die drei in der Stadt zurückgebliebenen Ordensbrüder bei Nacht zu ihr kamen, knapp an Lebensmitteln und mit der Bitte, zu ihren Gefährten zurückkehren zu dürfen, gaben sie und der Schwager des Königs ihnen zu essen und einen Befehl, der sie ziehen ließ.
Zwei Brüder aus dem Königshaus von Agbor kamen getrennt und mit großem Gefolge nach Benin, und jeder beanspruchte den Thron. Benins Recht, darüber zu urteilen, beruhte auf der Überlieferung, Agbors erster Herrscher sei aus Benin entsandt worden. Ahenzae hörte beide im Rat an, erkannte einen als Erben an, setzte ihn als Obi Eze ein und schickte ihn mit Geleit nach Hause. Die Geschichte stammt von Egharevba und ist innerhalb der Regierungszeit nicht datiert.
Auf den Rat seiner Häuptlinge hin behielt Ahenzae den unterlegenen Bruder in Benin, um einen Bürgerkrieg in Agbor zu verhindern, und gab ihn in die Obhut des Häuptlings Ihama von Idumwihogbe, bei dem er mehrere Jahre lebte. Als der Prinz kinderlos starb, ordnete Ahenzae an, dass seine Güter und versklavten Abhängigen an Ihama fielen, dessen Reichtum und Ansehen damit wuchsen.
Die Kapuziner trafen Ahenzaes obersten Minister, den sie den Beedor Major nannten, den Aufseher. Kein Fremder durfte mit dem König sprechen, ohne dass er als zweiter Dolmetscher danebenstand, und ihr Bericht nennt ihn einen alten Beamten, der den König schlecht unterrichtet hielt und ihn sich nur einmal im Jahr zeigen ließ. Die Kapuziner nennen nie seinen Namen; ein Historiker hält ihn für den Uwangue, das Oberhaupt der Palastgesellschaft Iwebo.
Nach der zweiten Audienz verweigerte er jedes weitere Treffen und schickte die Kapuziner zweimal im Namen des Königs nach Ughoton zurück. Als Ángel dem König eine Uhr sandte und anbot, ihm das Aufziehen zu zeigen, schickte der Minister sie zurück: Der König wolle sie nicht. Die Kapuziner führten das auf seinen Zorn über ein zu karges Geschenk zurück; Ryder meint, Politik und Religion hätten schwerer gewogen.
Als Ángel und Felipe während des Festes im innersten Hof erschienen, ließ ihnen der Beedor Major ausrichten, sie müssten gehen, und kam dann selbst, um sie hinauszuweisen. Nach ihren ersten Worten warfen Palastdiener sie hinaus und schlossen die Türen. Am Abend kamen zehn Männer aus dem Palast mit dem Befehl, die Stadt zu verlassen, und am nächsten Tag wurden die beiden unter Bewachung fortgeführt.
Da der Präfekt Ángel von den Niederländern in Elmina festgehalten wurde, ging die Leitung an José de Xijona über. Die Übrigen erreichten Ughoton, Benins Flusshafen, im Juni 1651, alle krank. José zog mit den Briefen des Papstes und der Propaganda Fide weiter in die Hauptstadt. Ein Hofbeamter nahm sie entgegen und erklärte später, der König habe sie gelesen und brauche ihn nicht zu sehen. Nach etwa einem Monat kehrte José nach Ughoton zurück.
Nach rund vierzig Tagen freigelassen, fand Ángel die Kapuziner in Ughoton im Sterben: José, Eugenio aus Flandern und Tomás de Huesca, der mit ihm in Elmina festgehalten worden war, starben binnen weniger Tage nacheinander. Er ließ die Kranken in der Obhut zweier Gefährten zurück, zog mit Felipe de Híjar weiter und betrat am 10. August 1651 Benin City. Nach der ersten Audienz ließ er die drei Zurückgebliebenen nachkommen.
Vom obersten Minister blockiert, versuchte Ángel jeden Weg: die Mutter des Königs, seinen Schwager, andere Beamte, das Geschenk einer Uhr. Ein Häuptling warnte, wer den Kapuzinern auch nur ein Wort Edo beibringe, werde getötet, und wer ihnen bis dahin geholfen hatte, zog sich zurück. Knapp an Essen und Geld lebten die Kapuziner von dem, was englische Händler ihnen gaben, darunter ein Fass Kaurischnecken.
Nach monatelangem Warten gingen Ángel und Felipe mit der Menge der Häuptlinge zu einem Palastfest, bei dem fünf Männer geopfert werden sollten; ein alter Mann, den sie nicht kannten, führte sie durch die Höfe. Sie traten vor den König und seine Häuptlinge und prangerten das Opfer an. Ryder datiert das Ereignis auf Mai 1652; Felipe nennt den ersten Tag der Fastenzeit; Kenny gibt die Fastenzeit 1653 an.
Hinausgeworfen, wurden die beiden vier Tage lang in einem Hain festgehalten, den fünf zahme Leoparden bewachten, mit wenig zu essen, dann nach Ughoton gebracht und dort wochenlang festgehalten. Nach Pfingsten zog die Mission nach Arbo weiter, wo zwei niederländische und zwei englische Händler sie fünf Monate lang verpflegten, und ein englisches Schiff brachte sie nach Príncipe. Felipes Berichte von 1654 bewahren die Geschichte.
Bartolomé de Viana, ein Priester, war mit zwei Laienbrüdern von Ughoton heraufgekommen, als Ángel sie nachkommen ließ. Als Ángel und Felipe fortgeführt wurden, blieben die drei mit knappen Vorräten in der Hauptstadt. Sie gingen bei Nacht zur Mutter und zum Schwager des Königs und wurden am Ende der Fastenzeit mit dem Gepäck der Mission nach Ughoton gebracht. Bartolomé kehrte mit Felipe nach Spanien zurück.
Alonso de Tolosa, ein Laienbruder, schrieb den Bericht über die nächtlichen Besuche: Die Kapuziner baten die Mutter und den Schwager des Königs um die Erlaubnis zur Abreise und um ein Boot nach Arbo, wo niederländische und englische Händler ihnen helfen konnten. Die beiden gaben ihnen Essen für einige Tage und einen Befehl, der sie ziehen ließ. Auf der Heimreise blieb er auf Kap Verde, um den kranken Ángel zu pflegen.
Gaspar de Sos, ein Laienbruder der Kapuzinerprovinz Aragonien, teilte die Bittgänge zur Familie des Königs und den Umzug nach Ughoton. Wiedervereint zog die Mission nach Arbo weiter und dann mit einem englischen Schiff nach Príncipe, São Tomé und Kap Verde. Darüber hinaus ist keine eigene Tat von ihm überliefert; mit Felipe und Bartolomé segelte er weiter nach Lissabon.
1660 war Benins König eine sakrale Gestalt, bei deren Wahl die Häuptlinge mitredeten und deren Türen seine Beamten bewachten: Die Kapuziner kamen nur über seine Minister oder seine Familie an ihn heran.
Wer ist wer
Der Oba und das Königshaus
Die Häuptlinge Benins
Niederländische Händler
Spanische Kapuziner
Andere
Zeittafel
- 1⌂Heerlager Eko — von Orhogbua angelegt, vor ca. 1578 1600–1604
- 2♜Eine aufständische Stadt bei Lagos — ca. 1603 · erstürmt und niedergebrannt 1600–1604
- 3◆Kriegshäuptlinge übernehmen den Befehl — Überlieferung · nach ca. 1606 ca. 1606
- 4⚑Oginas Aufstand — ca. 1609 · der Rat tagt im Haus des Iyase ca. 1609 – ca. 1641
- 5◆Kein neuer Iyase — Überlieferung · noch Jahrzehnte danach ca. 1609 – ca. 1641
- 6◆Die verspielten Korallen — Überlieferung · Regierungszeit Ahenzaes ca. 1641
- 7◆Die Kapuziner landen — Juni 1651 1651
- 8◆Die Kapuziner prangern den Ritus an — 1652 · ein Palastfest 1652–1660
Quellen
- Ulsheimers eigener Bericht über die Belagerung bei Lagos und das jährliche Erscheinen des Königs (Reise von 1603–04), hg. von W. Crecelius, Alemannia 7 (1879), S. 97–120 — Quelle
- Artikel „Ultzheimer (Ulsheimer), Andreas Josua“, Neue Deutsche Biographie 26 (2016) — Quelle
- O. B. Osadolor, The Military System of Benin Kingdom, c.1440–1897 (Dissertation, Hamburg, 2001): Ehengbudas Tod, das Ende der Kriegerkönige, Oginas Aufstand, der leere Sitz des Iyase — Quelle
- P. Ben-Amos Girshick und J. Thornton, 'Civil War in the Kingdom of Benin, 1689–1721', Journal of African History 42 (2001): die unterbrochene Erbfolge nach Ohuan, die Korallenperlen, der Aufstieg der Hofbeamten — Quelle
- J. Kenny, The Catholic Church in Tropical Africa, Kap. 3: die spanische Kapuzinermission in Benin, 1651 — Quelle
- Die eigenen Berichte der Kapuziner über die Benin-Mission (Felipe de Híjar, Alonso de Tolosa, 1654), in englischer Übersetzung — Quelle
- Ehengbuda — Wikipedia (Egharevbas Überlieferung zu seiner Herrschaft und seinem Ertrinken) — Quelle
- Ohuan — Wikipedia (Thronbesteigung, Oginas Aufstand, die abweichenden Chronologien) — Quelle
- Ahenzae — Wikipedia (Eson, und A. F. C. Ryders Darstellung der Kapuzinermission von 1961) — Quelle
- History of Lagos — Wikipedia (das Heerlager Benins, Eko) — Quelle
Jede Aussage im Text wurde an den obigen Quellen geprüft. Grenzen: historical-basemaps (A. Ourednik, GPL-3.0), der Stand um 1600, vereinfacht — schematisch, die richtigen Staaten ungefähr an den richtigen Orten. Land, das den Besitzer wechselte: moderne Provinzen (Natural Earth) oder spätere Stände anstelle der historischen Grenzen. Land, Seen und Flüsse: Natural Earth. Porträts: unten mit Urheber, Lizenz und Quelle nachgewiesen.
Porträts
- Ehengbuda — Edo World; later illustration labelled Oba Ehengbuda; artist and date unspecified · not stated — Quelle
- Andreas Josua Ulsheimer — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Ohuan — PMRMaeyaert · CC BY-SA 4.0 — Commons
- Ogina — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Ahenzae — Edo World; later illustration labelled Oba Ahenzae; artist and date unspecified · not stated — Quelle
- Eson — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Ángel de Valencia — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Felipe de Híjar — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- der Veedor — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Osogboye — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Ohogha — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- José de Xijona — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Bartolomé de Viana — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Alonso de Tolosa — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration
- Gaspar de Sos — imagined likeness, generated in the manner of sober naturalistic painted portrait in period dress (Codex image generation, 2026); no historical portrait survives or could be identified · generated illustration